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Kirche Keuschberg

Kirchplatz
06231 Bad Dürrenberg

Vorstellung

Im evangelischen Pfarrhaus Bad Dürrenberg gibt es eine gerahmte Zeichnung von der alten Keuschberger Kirche. Auf ihr wird mitgeteilt, daß „Heinrich I. im Jahre 933 durch Anlegung einer kleinen Kappelle den Grund gelegt hat.“ 1223 soll sie dann neu erbaut worden sein, dabei stand der Turm an der Stelle der alten „Kappelle“.

 

Am Hofe zu Dresden wurde einst berichtet, daß der doppelte Turm über der Grabstätte zweier gefallener sächsischer Helden errichtet worden war. Die enge kleine, alte Kirche hinderte später, die durch das florierende, churfürstlich-sächsische Salzwerk anwachsende Gemeinde, in ihrer Frömmigkeit. Deshalb bemühte man sich im 18. Jahrhundert um eine Erweiterung bzw. um den Neubau der Keuschberger Kirche. Als dann auch Denkmalschützer den endgültigen Verlust des maroden Kirchleins nicht mehr verhindern konnten, wurde dieses schließlich 1824 abgerissen.

 

Nach Entwürfen des Merseburger Bauinspektors C. F. Schmidt, des Bergrats F. E. Senff und des Dürrenberger Bauinspektors J. C. H. Oestreich wurde mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen. Inzwischen gehörte Dürrenberg zum Königreich Preußen. Die Oberbaudeputation war eine Revisionsabteilung, alle staatlichen Bauvorhaben Preußens, die 500 Taler überstiegen, in ökonomischer, funktionaler und ästethischer Hinsicht begutachtete. Der Schinkelstil wurde zur Mode. Der Leiter der Oberbaudeputation Johann Albert Eytelwein wurde 1830 durch den neuen Leiter der Oberbaudeputation K. F. Schinkel abgelöst, der dann 1838 sogar Oberlandesbaudirektor und Architekt des Königs wurde. Inzwischen wurde das Keuschberger Kirchenprojekt mit einem Kostenvorschlag 1827 vorgelegt und wurde von Eytelwein, Crell und K. F. Schinkel begutachtet (Arch.- Büro Dr. Mertens, 1992).

 

 

Die Gemeinde von Keuschberg begann nach einem Plan zu bauen, der aber in Berlin erst vorlag, als das erste Gutachten bereits bewilligt war. Schinkel hatte wohl noch versucht, die gröbsten Baufehler zu vermeiden. Eine korrigierte Zeichnung findet sich bei Abri. Doch in Keuschberg wurden die Auflagen wohl nicht befolgt (Arch.büro Dr. Mertens, 1992). Die Pfeiler der Emporen sollten mittig zu den Achsen der Wandpfeiler angeordnet werden. Der Einfluss Schinkels zeigte sich auch in der Gestaltung der Fassaden, die Anordnungen der Gesimse und Laibungen. Inzwischen erfolgten beim Kirchbau in Keuschberg, am 25.6.1829 (Pfingsten), das Richtfest und am 29.8.1830 schließlich die festliche Kirchweihe. In einer Akte des Domkapitels Merseburg finden sich Schreiben zur Geschichte des Keuschberger Kirchenbaus, aber auch die Entwurfszeichnungen von J. C. H. Oestreich und anderen nur kein einziges Wort über K. F. Schinkel. Nun steht die Kirche schon seit 182 Jahren, sie hat Stürme und Kriege überlebt. Rekonstruktionen und Renovierungen erfolgten wohl 1892, 1933, 1950 und nach 2000. Groß sind ihre künstlerischen Ausstattungen nicht. Aus der alten Kirche ist wohl auch nicht viel in die neue gewandert. Vom Kaiser hatte man sich einst ein großes Altarbild erbeten. Doch der gab nichts heraus aus seinen Sammlungen. Schließlich erhielt man 1892 eine Kopie vom „segnenden Christus“ des italienischen Malers Cima da Conegliano (1459-1517).

 

Am großen Kreuz findet sich ein Christuskörper, der wohl noch aus der alten Kirche stammt. Eine ungewöhnliche Kanzel aus Aluminium stammt von Karl Müller (1888-1972) aus Halle. Sein Wandbild aus Aluminium hinter dem Altar ist seit den 50er Jahren verschollen. Ein Taufstein und die Orgel kommen wohl noch aus der alten Kirche. Die Krug-Orgel wurde umgebaut. Die großen Pfeifen erhielten einen Knick, um sie einsetzen zu können. Die Orgel hatte schon früher eine Weiß-Gold- Fassung. Diese wurde mehrfach übermalt. Ehrenmäler, Denkmale und Tafeln erinnern an die Opfer der Dürrenberger Gemeinden in den vergangenen Kriegen.


(Zeichnungen und Text mit freundlicher Unterstützung von R. Walker)

 

Offene Kirchen in Mitteldeutschland

 

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